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Friedrich Kümmel
Hermeneutik als Methode
Möglichkeiten und Grenzen

Verlag Hechingen 2017, 384 Seiten, Format A5, kart.
ISBN-13: 978-3-941060-10-4

Methode (μέθοδος) heißt ursprünglich: einem Weg (odos) folgen “. Die Offenheit und Komplexität des Bedeutungsspektrums von „Weg“ wird in der „Methode“ allerdings allmählich zur Engführung gebracht, im Sinne eines überschaubaren Verfahrens „methodisiert“. Das gilt sowohl für das Verstehen von Texten als auch für das experimentelle Vorgehen in den Naturwissenschaften. Das wissenschaftliche Denken der Neuzeit macht in diesem Sinne aus dem Weg ein streng geregeltes Verfahren, das der Gesinnung, Begründung und Sicherung eines allgemeinen, jedermann zugänglichen Wissens dient. Doch die Hermeneutik als Methodenlehre des Verstehens weist diese Engführung ab, ohne aber die Wegemetapher gänzlich zu verwerfen: Sie erläutert, welche Art der inneren Offenheit und Bereitschaft erforderlich ist, um die nicht im vorhinein, sondern nur in der Begegnung selbst sich darbietenden Schritte zum Verständnis eines Menschen oder des überlieferten dichterischen Worts zu tun. Es gibt also auch hier zu bahnende Wege des Verstehens, aber sie sind nicht absehbar und deshalb auch nicht planbar. Demgegenüber folgen die Methoden der so genannten „exakten“ Wissenschaften der absehbaren, seit Aristoteles etablierten axiomatisch-deduktiven Logik, die sowohl den Weg als auch jede Schrittfolge auf ihm nach vorab bestimmten Regeln vorschreibt und steuert. Aber selbst hier geht aller Sicherheit die Ungewißheit erster tastender Schritte voraus: Auch der Naturwissenschaftler macht seine Versuche zunächst noch in unbegangenem Gelände, muß sich erst noch einen Weg bahnen und festen Grund unter die Füße bekommen, bevor er weiter gehen kann.

Ein genauer Blick zeigt darüber hinaus, daß nicht nur die ersten Anfänge und Gründe einer Wissenschaft Verstehensleistungen erfordern, die durch die etablierten Logiken nicht einzuholen sind; denn das Erfordernis des Begreifens ist durch methodisches Vorgehen allein noch nicht gesichert: Sowohl die Grundbegriffe als auch die Forschungsergebnisse sind zu deuten und vor Un- und Mißverständnissen zu bewahren. Auch hier stellt sich das Problem des „hermeneuein“, nämlich einen Gang zu gehen, wo es noch keine eindeutigen Wege und die Möglichkeit hundertfacher Täuschung gibt. Die vorgelegten Untersuchungen weisen einer solchen zweiseitig orientierten Theorie des Verstehens das Wort. Sie knüpft an ältere Wissenstraditionen an, die einen unteren und einen oberen Pol des Wissens unterscheiden und ein „höheres“ Moment der Offenbarung bzw. Divination mit einem in Zeit und Raum zu verortenden, „niederen“ Wissen der Erfahrung in ein Verhältnis zu bringen nötigen. Entsprechend den zwei unterschiedlichen, jedoch disjunktiv verbundenen Wissensformen handelt es sich um zwei grundverschiedene Begriffe von Verstehen: gewöhnliches und tieferes Verstehen, die sich in ihrer Reinform geradezu ausschließen und doch in ein Verhältnis zueinander gebracht werden müssen, weil Verstehen überhaupt nur zustande kommen kann, indem unsichtbare Fäden das Heterogene verbinden.


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Lieselotte Heller
Die Zwiespalte des Denkens
Fragmente einer Philosophie der Eigentönigkeit
Mit einem Vorwort von Klaus Giel
Vardan Verlag Hechingen 2013, 314 Seiten
ISBN-13: 978-3-941060-09-8

Wollen wir die Lebenskräfte unseres Eigentons in uns wecken und zu ihrer Entfaltung befreien, bedingt dies, dass wir uns einer strengen Praxis geistiger Übung befleißigen: des Horchens und Resonierens, des Gewahrens und Achtens und schließlich des schöpferischen Wollens, Sagens und Tuns. Es geht um eine Erneuerung der Zivilisation des Denkens und der Sinnlichkeit inmitten einer einzig von der Vernunft regierten Welt, deren geistige Substanz national wie global aus den Fugen zu geraten droht. Eine solche Erneuerung muss vom Menschen her erbracht werden, denn nur der Mensch ist dem Aus-den-Fugen-Geraten der Welt eine Antwort schuldig.
In irgendeiner Weise ist jeder Erdenbürger singulär wie auch plural in das dichtgeknüpfte Netz menschlicher Errungen- und auch Machenschaften verwoben. Und niemand kann sich heute von seiner Gefangenschaft im Netz der maßlos gewordenen Vernunft aus eigenen Kräften befreien, es sei denn durch die Wandlung seines eigenen Denkens, das ihn weg vom inzwischen arg verwüstet und öde gewordenen Strand des Machbaren hin zu dem Quell der Wirklichkeit zu führen vermag als dem resonierenden Sein aller Lebewesen, das heißt zu dem unerschöpflich sprudelnden Gedächtnis der Zeit im Hier und Jetzt.
Im Gedächtnis der Zeit sind die gesetzgebenden Kräfte des Tons geborgen, welche von der wahrhaft stimmhaften und sprachhaltigen Natur menschlichen Denkens, Sagens und Tuns zeugen. Es gilt, das Maß der eigenen Tonkraft wiederzufinden, das uns kosmisch, und das heißt schöpferisch mit Allem und mit jedem Lebewesen auf wunderbar universale Weise verbindet und uns gänzlich in die geistige Welt sprachlich einbindet. Sprachlich bewohnbare Orte und narrativ begehbare Pfade erst generieren den wirklichen Lebensraum des Menschen. Und die Tonkraft bestimmt die Architektur solch poetisch angereicherter Orte; Gärten der Stille - des Seins.
Es gibt auf der Bewusstseinsebene der Eigentönigkeit weder gut noch böse, keine Trennung von Streu und Weizen. Das besagt jedoch keineswegs, dass das Gute wie auch das Böse auf Erden nicht existierte. Im existentiellen Sinn aber ist Beides, das "Gute" wie das "Böse", anders: die Güte wie die Verdammnis, das Wohl und das Wehe, als geistige Dimension in die Freiheit des Menschen und also auch in sein Vermögen gestellt; der Mensch zeitigt aus sich nur jene Lebensgeister, die im ausgesprochenen und also artikulierten Gedanken auch den Ton angeben.

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Friedrich Kümmel
Logik und Hermeneutik
Vardan Verlag Hechingen 2013, 348 Seiten
ISBN 978-3-941060-08-1

Logik und Hermeneutik haben sich noch nie bruchlos ineinander gefügt; zu verschieden sind die Grundlagen und die entsprechenden Verfahrensprinzipien. Klar definiert sind die Prinzipien der Aussagenlogik: Wahr bleibt Wahr; aus Wahrem kann nichts Falsches folgen. Aus Falschem folgt alles Mögliche, d. h., aus ihm kann nichts geschlossen werden. Schwieriger wird die Sache für die Prädikatenlogik, die umgangssprachliche Bedeutungen untersucht und nach logischen Kriterien aufeinander abzubilden unternimmt. Eindeutig definiert ist: Junggeselle = unverheirateter Mann. Sobald man aber die Art der Beziehungen zwischen Mann und Frau näher ins Auge faßt, findet man die unterschiedlichsten Spielarten. Und um noch ein anderes Beispiel anzuführen: Bei Synonymen oder im Verhältnis fremder Sprachen muß offen bleiben, ob eine identische Substitution der gleichen bzw. einander entsprechenden Wörter möglich ist. Kann man „mind”, „Verstand”, „spirit”, „Geist” als gleichbedeutend setzen? Nur wenn das der Fall wäre, könnte man die Wörter in allen möglichen Kontexten füreinander einsetzen. Dies ist aber gar nicht möglich. Das bedeutet, daß die Suche nach einem analytischen Bedeutungskriterium gescheitert ist. Aber auch das Verständnis von Bedeutung als meaning (verständlicher sprachlicher Ausdruck) und als reference (Bezug auf einen objektiv vorgegebenen Sachverhalt) läßt sich nicht zur Deckung bringen. Bedeutungen sind etymologisch zu klären. Das ist aber ein ganz anderer Vorgang, als objektive Sachverhalte zu benennen. Hier muß die Frage, was wahr und was falsch bzw. vage, mißverständlich oder gar widersprüchlich ist, offen bleiben.
Die Hermeneutik geht davon aus, daß sich die Sprache im miteinander Sprechen zweier Gesprächspartner erfüllt. Der Autor hat sich zur Aufgabe gemacht, Differenzen dieser Art herauszuarbeiten und zu zeigen, daß im Logischen ein Hermeneutisches und im Hermeneutischen ein Logisches unverzichtbar enthalten ist. Der reine Logiker würde dem nicht zustimmen. Das auf Verstehen angelegte Gespräch aber muß notwendig davon ausgehen. Daß die mit beiden Verfahrensweisen verbundenen Methodologien verschieden sind, sich jedoch ergänzen müssen, ist eine notwendige Konsequenz der Überlegung. Mit ihr kann dem Streit über die ~richtige~ Methode die Schärfe genommen werden.

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Friedrich Kümmel
Der Streit um den Wissenschaftscharakter der Pädagogik und das Verhältnis von Theorie und Praxis
Vardan Verlag Hechingen 2011, din A5, 388 Seiten
ISBN-13: 978-3-941060-06-7

Das Buch wendet sich vor allem an Lehrer und Erzieher, die unmittelbar davon betroffen sind, was heute in Theorie und Praxis der Schulerziehung geschieht. Für die Reformen kann das nicht gleichgültig sein, die heute in rascher Folge das Schulleben mitbestimmen und oft genug Frustrationen auslösen, die den Reformeifer oft eher verschleißen und den längerfristigen Erfolg der getroffenen Maßnahmen wieder in Frage stellen. Reformen brauchen Zeit, und sie können sich nicht auswirken, wenn sie die erforderliche Zeit nicht bekommen. Auch kann es keine Reform von oben geben, wenn die Basis sie nicht innerlich akzeptiert und aktiv mitträgt.

Es gilt hier das Paradox der Veränderung (siehe das Buch S. 323-328), das meines Erachtens zwei Varianten hat, eine positive und eine negative, aus deren Verhältnisbestimmung sich allererst eine hinreichende Einsicht in die Zusammenhänge ergibt.

Die positive Variante ist noch kaum zum Bewußtsein gekommen und erscheint auf den ersten Blick widersinnig: daß wirkliche Veränderung nur durch einen Schritt zur Bejahung des zu Verändernden zustande kommen kann - und zwar auch und gerade in seinen negativen Aspekten. Das Bekämpfen allein tut's nicht und erweist sich näher besehen als eine Falle. Ausgangspunkt jeder Veränderung und allen Wachstums muß die Realität sein, das heißt die Akzeptierung dessen, was wirklich vorhanden ist.

Um dies einsehen zu können, muß aber auch die negative Version des Paradoxes der Veränderung ins Auge gefaßt werden. Leider ist noch nicht für jeden einsehbar, daß Reformen durch utopische Zielvorstellungen und/oder zu kurzfristig bemessene Zeitvorgaben unterlaufen, ja verhindert wer­den können. Die mit dem permanenten Verändernwollen einhergehende Blockierung wird durch ein französisches Sprichwort treffend ausgedrückt: „Plus ça change, plus c’est la même chose”: Je mehr Veränderung, umso mehr bleibt alles beim Alten. Ein taoistischer Weisheitsspruch drückt dieselbe Wahrheit aus: „Was jeden Tag anders ist ­ die ältesten Dinge!” Permanentes Verändern führt entgegen der Absicht zur ewigen Wiederkehr des Gleichen. Man kann mit kurzfristigen Reformvorhaben die Wirksamkeit von Reformen also geradezu verhindern.

Was hier nicht bewältigt worden ist, ist das Theorie-Praxis-Verhältnis und der vielbeklagte Theorie-Praxis-Bruch. Die Praxis hat ihre eigene Dignität, und für die die Theorie gilt, daß das pädagogische Feld keine einseitigen Reduktionen zuläßt. Ohne eine Zusammenschau der verschiedenen Ebenen und Faktoren kommt man hier gar nicht aus. Kein methodologischer Standard und kein wissenschaftstheoretisches Paradigma läßt sich hier gegen das andere ausspielen. Damit lösen sich die Fachgrenzen nicht auf, aber die Forschungsfelder selbst werden zunehmend interdisziplinär. An die Stelle eines fruchtlosen Methodenstreits, wie er die bisherige Diskussion weithin bestimmt hat, muß die Zusammenarbeit von den unterschiedlichsten Ansätzen treten.

Obwohl die Pädagogik auch bisher schon als Integrationswissenschaft konzipiert war, hat sie es nicht vermocht, diesen Anspruch auch wirklich einzulösen. Die in diesem Band veröffentlichten Arbeiten zum Wissenschaftscharakter der Pädagogik und zum Verhältnis von Theorie und Praxis nehmen das Thema an dieser Stelle auf.

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Friedrich Kümmel
Zeit und Freiheit. Über den Begriff der Zeit.
Zweite, neubearbeitete und erweiterte Auflage.
Vardan Verlag Hechingen 2010. Format 18,4 x 26 cm, 370 Seiten, kartoniert
ISBN-13: 978-3-941060-04-3

Es scheint, daß die Pathologien des Umgangs mit der Zeit durch ihre Terminierung, Verknappung und Beschleunigung noch zugenommen haben und die ruhigen Zeiten vorbei sind. Umso wichtiger ist es, sich über die Zeit Gedanken zu machen und zu fragen, was sie für den Menschen ist und bedeutet. Das sich theoretisch und praktisch stellende Zeitproblem hat von seiner Aktualität nichts eingebüßt. Dabei kann eine gravierende Diskrepanz nicht übersehen werden: Kosmisch rechnen wir mit unvorstellbar großen Zeiträumen, und im Alltag wird für uns die Verwendung jeder einzelnen Minute zu einem Problem. Wer aber mit der Uhr am Arm nur noch die Minuten zählt, setzt sich aus allem heraus, was vor sich geht, und kann es nur noch „abhaken”; ist das Ziel erreicht, so ist die Sache auch schon „erledigt” und „hinter sich gebracht”. Je mehr wir die Zeit wie einen Meßbecher von außen her füllen, umso mehr verliert sie an wirklichem Inhalt und an Qualität. Damit beraubt man sich der Früchte der Zeit, die nur langsam und von innen her wachsen.

Die zentrale These dieser Arbeit ist: Zeit ist Freiheit, und Freiheit ist Freiheit in der Zeit. Wenn das in der Tat so ist, beweist das Diktat der Uhrenzeit einen Zustand extremer Unfreiheit im Umgang mit der Zeit. Ich erinnere an Michael Endes „Momo”, wo die „Zeitdiebe” weismachen wollen, daß durch Schnelligkeit des Handelns Zeit gespart werden könne, und man hinterher feststellen muß, daß von der vermeintlich eingesparten Zeit nichts mehr vorhanden ist. Ungewollte Erfahrungen dieser Art im Umgang mit der Zeit gibt es in Hülle und Fülle. Wo man nicht lernt mit ihnen umzugehen, verdichtet die Zeit sich zu einem immer engmaschigeren Netz, in dem man sich verstrickt.

Es gibt für den Menschen zur Zeit und zur eigenen Freiheit keine Alternative. Wie aber kommt man im Umgang mit der Zeit aus den selbst erzeugten Fesselungen und Beraubungen wieder heraus? Und was kann es heißen, das Verhältnis von Zeit und Freiheit positiv zu realisieren?

Man kann den Zusammenhang von Zeit und Freiheit also nicht eng genug sehen. Freiheit oder Unfreiheit entscheidet sich an der Art und Weise des Umgangs mit der Zeit. Daß der negative Gebrauch der Zeit mit wachsender Unfreiheit verbunden ist, erfahren wir täglich leidvoll. Immer mehr Zeit geht drauf mit nichts was sich lohnt, und für das, was Zufriedenheit und Erfüllung brächte, fehlt die Zeit.

Dabei ist absehbar, daß diese Scherenbildung kein gutes Ende nehmen kann. Mehr denn je muß der moderne Mensch lernen, mit der Zeit sinnvoll umzugehen, und mehr denn je hat er das verlernt. Der Zeit-Streß wird zum physischen Streß und dieser zur Krankheit. Verlangt ist aber nicht nur die Heilung des Körpers, sondern auch die Heilung der Zeit. Bis heute träumt man von der Verjüngung , erhofft die Erlösung und hat nicht eingesehen, daß das im Zeichen der Freiheit in die eigene Hand gegeben ist.

Zeit, Freiheit und Bewußtheit hängen eng miteinander zusammen, so daß das eine nicht gegeben sein kann ohne das andere. Dies verlangt die konsequente Einhaltung des Realitätsprinzips. Wenn was wirklich ist frei ist, entscheidet sich am Verhältnis zur Wirklichkeit, ob die eigene Freiheit realisiert wird oder sich in den gebundenen Formen der Unfreiheit von dieser ablöst. Das Kriterium für diese doppelte Möglichkeit ist die Zeit und der Zustand, in den man sich in ihr bringt.

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Byung-ok Lee
Der Begriff der Individualität beim frühen Schleiermacher

Vardan Verlag Hechingen 2009, 324 Seiten, kartoniert
ISBN-13: 978-3-941060-02-9

Schleiermachers philosophisches Werk stand lange Zeit im Schatten Hegels und ist erst im Zeichen der „hermeneutischen Wende” wieder verstärkt zur Geltung gebracht worden. Verwurzelt im frühromantischen Denken, verbindet sich mit dem Begriff der Individualität ein tiefgreifender Umbruch, der unsere Moderne heraufgeführt hat und bezüglich aller seiner Implikationen noch keineswegs hinreichend ausgelotet worden ist.

Der junge Schleiermacher hat, beginnend mit Studien zu Spinoza und Leibniz, den Begriff der Individualität zum Ausgangpunkt seines Denkens genommen. Insbesondere sein Frühwerk: Kurze Darstellung des Spinozistischen Systems (1793/94); Reden über die Religion an die Gebildeten unter ihren Verächtern (1799); Monologen (1800); Brouillon zur Ethik (1805/06); Entwürfe zur Hermeneutik (1805 ff.) ist nachhaltig durch den Gedanken des Individuellen bestimmt worden.

Für Schleiermachers Ethik (gemäß der Tradition eingeteilt in Tugendlehre, Pflichten­lehre und Güterlehre), die den Begriff der Gemeinschaftlichkeit und mit ihm ein ethisch Allgemeines ins Zentrum stellt, und für seine Dialektik, die als Wissenschaftslehre am Begriff allgemeingültigen Wissens festhält, ergibt sich daraus das schwierige Problem, wie die beiden Bezugspole „Individualität” und „Allgemeingültigkeit” in einen inneren Zusammenhang gebracht werden können, ohne sich gegenseitig zu bestreiten. Wenn der Faktor „Individualität” aus keiner Form des Denkens, Wissens und Wollens mehr herausgenommen werden kann, verändert dies auch das Begriffliche selbst und wirkt sich aus auf die Formen sprachlicher Mitteilung.

So im „Zwischen” verortet, vereinigt das Thema „Individualität” Tradition und Moderne und verlangt, beides in ein produktives Verhältnis zueinander zu bringen. In diesem Sinne ist die hier vorgelegte Untersuchung von höchster Aktualität.

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Ton-Ku Kang
SCHLEIERMACHERS HERMENEUTIK
ZUM VERHÄLTNIS VON GRAMMATISCHER UND PSYCHOLOGISCHER INTERPRETATION

Herausgegeben und redigiert von Friedrich Kümmel
Vardan Verlag Hechingen 2009, din A5, 204 Seiten,
ISBN-13: 978-3-941060-03-6

Schleiermachers philosophisches Werk stand lange Zeit im Schatten Hegels und ist erst im Zeichen der sogenannten „hermeneutischen Wende” wieder erstärkt zur Geltung gebracht worden. Ton-Ku Kang nimmt in seiner Dissertation die von Heinz Kimmerle nach den Handschriften neu herausgegebene Hermeneutik Schleiermachers zum Anlaß einer Auseinandersetzung mit der durch die beiden Bezugspole Dilthey und Gadamer umschriebenen Kontroverse über die Grundlagen des Verstehens und der Hermeneutik.
Unbestritten ist hierbei der Bezug auf die Sprache, strittig jedoch der Stellenwert des Faktors „Individualität”, der bei Schleiermacher und Dilthey eine zentrale Rolle für die Produktion und Rezeption von Sprachwerken spielt, von Gadamer und seiner Schule jedoch an die zweite Stelle gerückt worden ist. Schleiermacher verteidigt das subjektive Moment im sprachlich verfaßten Sinngebilde gegenüber dem Geltendmachen einer übergreifenden Ordnung, wie sie im klassischen Werk und seiner Tradition repräsentiert ist. Es kommt zunächst einmal darauf an, die immer auch fremde Rede eines Anderen im Gespräch zu verstehen, bevor man daran gehen kann, ein intersubjektiv Gültiges und allgemein Verbindliches ins Auge zu fassen. Wenn die Sprache nicht in einer Geistmetaphysik hinterlegt ist und auch einem Rationalitätsanspruch nicht genügen kann, muß zuallererst nach den Grundlagen des Verhältnisses zwischen Redenden, Vernehmenden und Verstehenden gefragt werden, von denen her die Hermeneutik als eine „Kunstlehre des Verstehens” ihre Regeln zu entwickeln hat, vor allem aber auch den Grenzen des Verstehens Rechnung tragen muß. Mit Schleiermacher empfiehlt es sich, vom Mißverstehen auszugehen und ein Nichtverstehen an den Anfang zu rücken. Was an Sinn geschöpft, ausgedrückt und zur Darstellung gebracht werden kann, reicht in der Sprache wie im einzelnen Menschen in eine Tiefe, die unergründlich bleibt. Menschliches gelangt nie zu einer Selbstverständlichkeit, wie Tradition und Rationalitätsanspruch bzw. Klassik und moderne Kommunikations- und Zeichentheorien dies suggerieren. Fremdheit ist nie ganz in Verstehen auflösbar und weist auf noch andere Grundlagen des zwischenmenschlichen Verkehrs und der Verständigung hin.

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Friedrich Kümmel
MORALERZIEHUNG ZWISCHEN WERTORIENTIERUNG UND WIRKLICHKEITSBEZUG
Vardan Verlag Hechingen 2009, din A5 kartoniert, 272 Seiten,
ISBN-13: 978-3-941060-01-2

Auch wenn die Wertediskussion im Bereich politischer Entscheidungsfindung heute unverzichtbar ist, weil eine rein dezisionistische Machtpolitik an ihr Ende kommt, kann man nicht davon ausgehen, daß die Werte im zwischenmenschlichen Zusammenleben und im Bewußtsein des Einzelnen eine ebenso wichtige Rolle spielen wie in der Öffentlichkeit. Hier werden immer auch andere Orientierungen maßgeblich.
Moralerziehung kann folglich auch nicht einfach mit Werterziehung gleichgesetzt werden. Der gewählte Titel: „Moralerziehung zwischen Wertorientierung und Wirklichkeitsbezug” gibt zwei Bezugspole moralischen Denkens und Handelns an, die durchaus konträr zueinander stehen und sich, prinzipiell gefaßt, geradezu ausschließen müßen. Es sind verschiedene Bezugsrahmen, Einstellungen und Denkweisen, mit denen man im einen oder anderen Fall an die Dinge herangeht und Lösungen für die Probleme sucht. Kurz gesagt: Die Logik der Wertorientierung ist eine andere als die Logik des Wirklichkeitsbezugs.
Um nur den wesentlichen Punkt hervorzuheben: Wertekataloge sind zweiwertig und bringen alles in die Form von Alternativen, die es so im Leben gar nicht gibt. Unreflektiert angewendet, verfehlen zweiwertige Schematisierungen oft genug den wesentlichen Punkt und verletzen das Gebot humanen Verhaltens. Die Konsequenz daraus ist: Man kann und darf, was der Fall ist, nicht einfach an den Werten messen. Um dem, was ist, gerecht zu werden, ist es vielmehr notwendig, vom „Urteilen”, „Werten” und (wie Jesus sagt) vom „Richten” zu lassen.

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Friedrich Kümmel
SCHLEIERMACHERS DIALEKTIK
DIE FRAGE NACH DEM VERHÄLTNIS VON ERKENNTNISGRÜNDEN UND WISSENSGRUND

Vardan Verlag Hechingen 2008, din B5 kartoniert, 452 Seiten
ISBN-13: 978-3-941060-00-5

Schleiermachers „Dialektik” besteht aus Entwürfen und Nachschriften der inzwischen vollständig edierten, nach wie vor aber schwer zu erschließenden Vorlesungen aus den Jahren 1811, 1814/15, 1818/19 und 1822 sowie einer Einleitung zur geplanten Drucklegung aus dem Jahre 1833. Schleiermacher verknüpft darin die Frage nach den logischen und anthropologischen Grundlagen der Erkenntnis mit der Frage nach dem absoluten Grund des Wissens, mit Bezug auf den allein die Frage nach der Wahrheit so beantwortet werden kann, daß sie der skeptischen Destruktion standhält, ohne daß man gezwungen wäre, „Welt” als Bezugsrahmen für Erkenntnis zu verlassen. Der absolute Grund des Wissens fällt nicht selber ins Wissen, und doch bleibt ohne den Rückbezug auf ihn das Wissen ununterscheidbar von den Meinungen, die der Mensch sich über die Dinge und über sich selbst gebildet hat. Ein vorangestellter Prolog skizziert kurz die damit umrissene erkenntnistheoretische Problematik, die angesichts der modernen Skeptizismen noch keineswegs eine befriedigende Lösung gefunden hat. Deutlich ist jedoch, daß es einer komplexeren, nicht mehr in der Alternative von Rationalismus oder Empirismus bzw. Idealismus oder Positivismus hängenbleibenden Logik bedarf, um absolute und relative Gesichtspunkte der Erkenntnis so ins Verhältnis setzen zu können, daß das eine das andere nicht negiert. Wenn nun aber auch kein Vermittlungsdenken hier weiterführt, dringt Schleiermacher mit seiner „Dialektik” in logisch-erkenntnistheoretisches Neuland vor, das zu betreten im Zeichen der fortgeschrittenen Moderne unabdingbar wird.

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Otto Friedrich Bollnow Rezeption und Forschungsperspektiven.
Herausgegeben von Friedrich Kümmel
Vardan Verlag Hechingen 2010, din A5, ca. 340 Seiten, kart., 19,90 Euro
ISBN-13: 978-3-941060-05-0

Zu diesem Buch

Aus Anlaß des 100. Geburtstages von Otto Friedrich Bollnow am 14. März 2003 fand am 25. und 26. September 2003 in Hechingen ein Forschungskolloquium statt. Autoren unterschiedlicher Fachbereiche stellten ihre Forschungsarbeiten zu verschiedenen Aspekten des Werkes von Otto Friedrich Bollnow vor. Der Band enthält die acht überarbeiteten, z. T. stark erweiterten Beiträge zum Kolloquium und eine vom Herausgeber vorgenommene Zusammenfassung der sich anschließenden Diskussionen. Die Publikation gibt einen Einblick in die vielfältigen Fragestellungen und Themenschwerpunkte, unter denen Bollnows Werk heute in verschiedenen Disziplinen rezipiert und von deren Fachvertretern produktiv weitergeführt wird.
Otto Friedrich Bollnow hat zu seiner Zeit Schule gemacht und ein umfangreiches, viel gelesenes und gewürdigtes Werk hinterlassen. Sein Denken ist nach wie vor aktuell und hat von seiner Relevanz für die derzeitige Diskussion nichts eingebüßt. Die Beiträge dieses Bandes geben einen Eindruck davon, wie sein Werk in den verschiedensten Disziplinen aufgenommen und unter methodologischen und sachlichen Aspekten produktiv weitergeführt wird.
Bollnows zahlreiche Bücher, Aufsätze und Besprechungen sowie die erreichbaren Übersetzungen sind in der von Friedrich Kümmel erstellten Bollnow Homepage nahezu vollständig zugänglich gemacht. Sie enthält auch bisher unbekannte Textentwürfe und -varianten, die für das Verständnis der Genese von Bollnows Denken unverzichtbar sind.
Beim Verlag Königshausen & Neumann in Würzburg erscheint derzeit eine von Ursula Boelhauve, Gudrun Kühne-Bertram, Hans-Ulrich Lessing und Frithjof Rodi herausgegebene, zwölfbändige Studienausgabe der systematischen Hauptwerke des Philosophen und Pädagogen.

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Copyright (c) 2008 Vardan Verlag - Friedrich Kümmel         Letzte Aktualisierung: Sep 17, 2017