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Vardan Verlag Hechingen e.K.                                                       Stand: September 2017

Inh.: Prof. Dr. Friedrich Kümmel

 

Ankündigung weiterer Publikationen

 

Folgende weiteren Bücher sind mehr oder weniger fertig und können in rascher Folge

erscheinen:

− Parmenides und Heraklit

− Protagoras Homo-mensura-Satz und die Frage nach den Grundlagen einer Erkenntnis ohne
   Allgemeines

− Der Ort des Menschen in der disjunktiven Struktur. Studien zur Logik der Disjunktion

 

Ich möchte Ihnen nun die zur Publikation anstehenden Bücher kurz vorstellen:

 

Zwischen Logik und Hermeneutik.

Der Streit um den Wissenschaftscharakter der Pädagogik

 

Logik und Hermeneutik haben sich noch nie bruchlos ineinander gefügt. Sie haben verschiedene Voraussetzungen und Rahmenbedingungen, die im Prinzip nicht miteinander vereinbar sind und doch zusammengedacht werden müssen, soll mit der Erkenntnis ein Wahrheitsanspruch und mit diesem ein Verstehen verbunden sein. Eine Überschneidung beider Verfahrensweisen findet allenthalben statt, vor allem was den Bereich menschlichen Verhaltens betrifft. Die daraus entstehende wissenschaftstheoretische und methodologische Kontroverse wirkt sich auf allen Gebieten der Sozial- und Verhaltenswissenschaften aus. Wiewohl man hier auf geisteswissen­schaftliche Verfahrensweisen („Beschreiben“, „Deuten“, „Verstehen“) gar nicht verzichten kann, erscheinen diese vielen Forschern als zu „weich“ und wissenschaftlich unzureichend. Ihnen zur Seite soll, wie bei den Naturwissenschaften, ein logisch-empirisches Verfahrensprinzip treten, das in konsistenten Aussagesystemen die Ableitung von verifizierbaren bzw. fal­sifizierbaren Sätzen erlaubt. Der wissenschaftliche Status der Hermeneutik als Methode blieb deshalb bis heute umstritten, auch wenn von logisch-positivistischer Seite heute nicht mehr in Abrede gestellt wird, daß die Geisteswissenschaften einen unverzichtbaren Beitrag zum kulturellen Leben leisten.

Angesichts der anhaltenden Kontroversen und der Schwierigkeiten einer Prioritätensetzung sind zahlreiche Vermittlungsversuche gemacht worden, wobei die Tendenz zur gegenseitigen Ausschließung und zum Vorwurf einer Verkürzung des je eigenen Methodenverständnisses im Kontext der ‘anderen Seite’ bis heute nicht überwunden werden konnte. Das ganze Feld des wissenschaftlich zu Bearbeitenden ist nach wie vor kontrovers. Die Frage wie man damit umgehen kann, muß ein vorrangiges Interesse sein, bevor man Einheitspostulate geltend macht, die immer nur spaltend wirken und weder die Wirklichkeit treffen noch ein gemeinschaftliches Denken und Tun begründen können.

Und doch muß sich auch die Hermeneutik als wissenschaftliche Methode logischen Standards fügen, auch wenn sie sich nicht in deren engen Rahmen allzu restringierter Rahmenbedingungen einpassen läßt. Das hermeneutisch aufzuklärende Verstehen speist sich immer auch aus anderen Quellen und ist auf die Wirksamkeit von Faktoren angewiesen, die im logischen Bezugsrahmen keine Berücksichtigung mehr finden. Es gilt also im Verhältnis von Logik und Hermeneutik nicht nur die Aporetik zu beleuchten, sondern auch den inneren Zusammenhang. Wenn sich aus dem hermeneutischen Ansatz weiterführende ontologische und erkenntnistheoretische Konsequenzen ziehen lassen, nötigt dies dazu, auch das Feld des Logischen selbst zu erweitern und Kategorien wie Mehrseitigkeit, Mehrperspektivität und Mehrdimensionalität in es einzuführen. Mit der Erweiterung des logischen Feldes hört die Logik auf, eine reduktionistische Methode zu sein, die alles auf einer Ebene verrechnet und in einen Bezugsrahmen preßt, der vorgibt konsistent zu sein und sich doch nicht konsistent machen läßt. Den widerspruchsfreien Bereich des strikt Beweisbaren gibt es nicht, und nicht einmal der mathematische Kalkül fügt sich dem Erfordernis eindimensionaler Verrechnung. Dem entspricht die Einsicht, daß es keine geschlossenen Systeme gibt und das stets gegebene Innen-Außen-Verhältnis sich nicht auf die eine oder die andere Seite hin auflösen läßt.

Die auf Widerspruchsfreiheit bedachte Logik treibt entgegen ihrem Bestreben den Widerspruch geradezu heraus und führt in Dilemmata, Aporien und Paradoxien hinein, mit denen man sonst nicht in dieser Härte konfrontiert wäre. Von daher gesehen gewinnt die logische ‘Engführung’ einen existentiellen Sinn. Man muß lernen, mit Widersprüchen zu leben und gleichzeitig eine existentielle Klarheit zu gewinnen. Der Hermeneutiker kann einer solchen Engführung noch entgehen, weil er mit ‘Unbestimmtheitsrelationen’ (Heisenberg) arbeitet und gar nicht beansprucht, die existentielle Tiefe und das große Ganze in den Griff zu bekommen. Und doch gibt es eine Genauigkeit der hermeneutische Aussage, die wie das Dichterwort etwas ‘trifft’ und ‘auf den Punkt bringt’. Sie bezieht sich auf ein Resonanzphänomen von Wirkungsgrößen, über die man nicht in gleicher Weise wie über Gegenstände verfügen kann und denen man doch jeden Erkenntnisfortschritt letztlich verdankt. In bezug auf Phänomene dieser Art hat die Hermeneutik ein weites Feld.

 

Parmenides und Heraklit

 

Die bahnbrechende logische Arbeit des Parmenides und seiner Schule ist bekannt. Man darf das ontologische Verhältnis von „― ist“ und „― ist nicht“ aber nicht, wie Platon das im ‘Sophistes’ in polemischer Absicht getan hat, sogleich auf das Problem der gegenständlichen Unterscheidung und Bestimmung innerhalb von Weltgegebenheiten herabstufen. Für die gegenständliche Bestimmung gilt seit alters die Regel omnis determinatio est negatio, mit allen Konsequenzen, die eine solche Form der Bestimmung via negationis hat. Sie verfährt ein- und ausgrenzend und erzeugt so zwangsläufig einen mit denselben Mitteln nicht mehr zu lösenden ‘Rest’ hinausverlagerter Fragen. Nicht hinreichend berücksichtigt ist bei einem solchen Bestimmungsverfahren, daß die Negativität des Ausgegrenzten zurückschlägt auf das, was man im Binnenbereich im positiven Sinne festhalten möchte. Die Negation erzeugt nach beiden Seiten hin geschlossene Kreise und das heißt, sie kann sich selber nicht mehr von sich entbinden. Mit anderen Worten erzeugt die negative Bestimmung eine „negative Totalität“(Adorno).

Daß im Blick auf die realen Gegebenheiten ein anderes Verfahren der Nicht-Ausgrenzung zur Anwendung kommen muß, zeigt ein Blick auf Heraklit. Er thematisiert das abgestufte und in sich gebrochene ‘Ganze’ so, daß immer auch eine ‘andere Seite’ mit in den Blick kommt. Mit der Aufforderung, stets beide Seiten zu sehen und zu verbinden, beginnen die Schwierigkeiten nicht nur des Denkens. Entweder man bestreitet dem, was ‘im Fluß ist’, ‘zwei Seiten hat’ und ‘immer anders erscheint’, jede Denkbarkeit und Logik, oder man ist genötigt, von einer weiterreichenden logischen Strukturvorgabe auszugehen, die von Heraklit, Parmenides und Protagoras in der Form einer „Logik der Disjunktion“ (so bezeichne ich sie im Unterschied zur herkömmlichen „Logik der Alternativen“) ausgearbeitet worden ist.

Die These meiner Untersuchung geht dahin, daß man Parmenides keineswegs in Opposition zu Heraklit sehen darf, vielmehr haben beide sich ein und derselben Logik bedient. Nur der Bezugspol ist bei beiden ein anderer. Parmenides macht die Einheit an einem zeitenthobenen Bleibenden fest, gefaßt im reinen Denken, und die metaphysische Tradition ist ihm darin gefolgt. Was nun aber die All-Einheit betrifft: ein ‘vielfältiges Leben’ und den ‘Fluß der Dinge’, so daß das Ganze auch die ‘verkehrten Welten’ noch mit umfaßt, ist Heraklits Ansatz der weitergehende. Heraklit thematisiert das Ganze und seine Einheit unter dem Aspekt der Zeit und nimmt diese in das Absolute selbst hinein: als einem in der Aktualität vor sich gehenden Werden.

 

Protagoras’ Homo-mensura-Satz und die Frage nach den Grundlagen einer
Erkenntnis ohne Allgemeines

 

Der von Protagoras aufgestellte Homo-mensura-Satz lautet: „Der Mensch ist das Maß aller Dinge: der seienden, daß (wie) sie sind; der nicht-seienden, daß (wie) sie nicht sind.“ (Fragment 1) Damit wird bezüglich des menschlichen Urteils- und Erkenntnisvermögens die von Parmenides aufgestellte Disjunktion von „Sein“ und „Nichts“ in Anschlag gebracht, und zwar so, daß sie sich im Sinne der Unterscheidung von Wahrheit (alētheia) und Schein (doxa) nicht mehr relativieren und als ein quid pro quo behandeln läßt. Der Homo-mensura-Satz zielt, insbesondere im Blick auf die zweite Satzhälfte, auf ein absolutes Maß der Unterscheidung und erlaubt nur unter der Voraussetzung, daß man – wie Platon – den Nachsatz nicht berücksichtigt, auch eine relativistische Deutung.

Platon hat dem Satz des Protagoras bekanntlich eine relativistische Auslegung gegeben (vgl. den Dialog ‘Theaitetos’) und mit dieser polemischen Unterstellung dessen Rezeptionsgeschichte bis heute bestimmt. Er bezieht Protagoras’ „Maß“ zurück auf die bereits in der Vorsokratik durchrelativierte menschliche Wahrnehmung: „Nicht wahr, er meint dies so, daß, wie ein jedes Ding mir erscheint, ein solches ist es auch mir, und wie es dir erscheint, ein solches ist es wiederum dir“ (Theaitetos 152 a). Mit einem Wort ausgedrückt: „Sein ist gleich jemandem Erscheinen“(so haben Diels-Kranz die These zusammengefaßt) und – so folgert Platon weiter – wie ein jeder die Sache sieht, so ist sie für ihn auch. Der Kranke empfindet anders als der Gesunde.

Demgegenüber soll in dieser Untersuchung eine nicht-relativistische Deutung des Homo-mensura-Satzes gegeben werden, die sich insbesondere auf den von Platon nicht berücksichtigten zweiten Teil des Satzes stützt. Das „Maß des Menschen“ hat darin seine Wahrheit, daß dieser fähig ist, zwischen Wirklichem und Nichtwirklichem unterscheiden zu können: „… der seienden Dinge, daß (wie) sie sind; der nichtseienden Dinge, daß (wie) sie nicht sind.“ Eine solche Unterscheidung kann nicht mehr relativistisch verstanden und skeptisch ausgemünzt werden, hängt von ihr doch der Anspruch auf Wahrheit und Wissen selbst ab. Was (wahr) ist und was nicht (wahr) ist, kann im Bereich der Meinung (der doxa) nicht mehr voneinander unterschieden werden, und insofern ist hier eine skeptische Konsequenz unausweichlich. Wenn alles nur noch eine Macht- bzw. Geltungsfrage ist und zur Glaubens- bzw. Definitionssache gemacht wird, gibt man den Begriff der Erkenntnis und den damit verbundenen Anspruch auf Wahrheit auf.

Entgegen Platon muß man sagen, daß mit dem Gebrauch der Negation zu Erkenntniszwecken zwangsläufig eine Relativierung und Einnivellierung der Wahrheits- und Wissensfrage verbunden ist. Platon hat im ‘Sophistes’ das „– ist nicht“ im Sinne der logischen Negation für die Bestimmung eines Gegenstandes verpflichtend gemacht. Was ‘nicht dieses’ ist, ist eben ein ‘anderes’, das unbestimmt bleibt und nicht weiter berücksichtigt zu werden braucht. Auch wenn die Ideenlehre diesen Mangel auszugleichen versucht, ist die bei Parmenides und Protagoras in einer unvermittelbaren ontologischen Differenz verankerte Disjunktion von „Sein“ und „Nichts“ zugunsten wählbarer Alternativen einnivelliert und die Bestimmung von Gegenständen der Relativität von Hinsichten und Absichten ausgeliefert. Wahres Unterscheidenkönnen, wie Protagoras es mit dem Menschen als dem Maß aller Erkenntnis verbindet. ist hier nicht mehr gefragt.

Protagoras’ Homo-mensura-Satz gehört mit seiner Zentrierung auf die Unterscheidung des Wirklichen vom Unwirklichen in den Umkreis einer „Logik der Disjunktion“, wie ich die parmenideische Logik im Unterschied zu der üblicherweise verwendeten „Logik der Alternativen“ nenne. Mit dem Schema einseitig zentrierter Alternativen läßt sich alles auf die eine oder andere Seite kehren und negativ oder positiv bewerten, wie man will. Demgegenüber wird mit dem Denken der Disjunktion, die nicht mit der ausschließenden Alternative (dem Entweder-Oder als einer Alternative) verwechselt werden darf, in einem Sinne logisches Neuland betreten, weil nun auch die nicht formalisierbaren und nicht unter Kriterien der Vollbestimmtheit stehenden Verhältnisse einer logischen Behandlung zugänglich gemacht werden. Damit wird die für Entscheidungen durchaus sinnvolle Logik der Alternativen in ein größeres logisches Feld mit erweiterten Rahmenbedingungen eingeordnet. Nicht alles kann entschieden werden, weil es nicht zu allem eine Alternative gibt. Dies gilt insbesondere für die existentiellen Sachverhalte und gesteigert im Verhältnis zu sich selbst. Faßt man die Disjunktivität und Nichtalternativität von aufeinander bezogenen Faktoren ins Auge, so können auch die mit Alternativenbildung zwangsläufig verbundenen Dilemmata und Aporien einer Behandlung zugeführt werden, so daß sich sinnvoll mit ihnen umgehen läßt. Die Bildung von Alternativen löst ja keineswegs die bestehenden Widersprüche auf und bedingt in Form von Dilemmata und Aporien gerade umgekehrt noch ihre Zuspitzung. Wer komplexe Sachlagen in vermeintlich klargeschnittene Alternativen zerlegt, landet bei den Paradoxien.

Mit dem Hinweis auf eine nicht aufhebbare und nicht mehr vermittelbare Differenz bzw. Disjunktivität wird der Mehrseitigkeit und Mehrdimensionalität der Sachlagen und ihres komplexen logischen Feldes Rechnung getragen. Nur in einem erweiterten Rahmen läßt sich mit den menschlichen Beziehungen und Welt­verhältnissen noch ein Wahrheitsanspruch verbinden, der nicht durch Meinungen relativiert werden kann und konkurrierenden Geltungsansprüchen ausgesetzt ist. Von daher verstanden, ist Protagoras das genaue Gegenteil eines Relativisten.

 

Der Ort des Menschen in der disjunktiven Struktur. Studien zur Logik der Disjunktion

 

Was „Logik der Disjunktion“ heißen kann und was sie zu leisten verspricht, wird in diesen Studien an einzelnen Beispielen exemplifiziert. Da es sich hier um ein weites Feld handelt, muß an dieser Stelle ein Hinweis auf die einzelnen Kapitel genügen:

Zur Einleitung dient eine Überlegung, die es sinnvoll erscheinen läßt, das Projekt einer Logik der Disjunktion in Angriff zu nehmen.

Es folgt im ersten Kapitel die Vorzeichnung eines formalen und d. h. selber wieder nur logisch zu bezeichnenden Unterschieds zwischen „Disjunktion“ und „Alternative“.

Das zweite Kapitel wendet die mit dieser Unterscheidung gewonnenen Einsichten auf das Verhältnis der mehrseitigen und mehrsinnigen Kategorien „Raum“, „Zeit“ und „Ort“ an. Es folgt ein Exkurs zur „Bewegung im Ort“, im Unterschied zur Fortbewegung im Raum.

Das dritte Kapitel untersucht das Verhältnis der Kategorien „Gedächtnis“ und „Erinnerung“ und markiert eine wesentliche Differenz zwischen beiden. Im Unterschied zur Erinnerung ist das Gedächtnis eine nicht manipulierbare Größe.

Das vierte Kapitel beleuchtet anhand ausgewählter Zeugnisse den „Ort des Menschen in der disjunktiven Struktur“. Es wird gezeigt, wie das Existentielle zwar ins Alltagsgeschehen hineingezogen ist, gleichzeitig aber als ein davon unabhängig Bleibendes zum Vorschein kommt.

Das fünfte Kapitel widmet sich der „Freiheit“ und räumt mit dem Vorurteil auf, als ob die faktische gegebene Unfreiheit ein Einwand gegen das Frei-sein wäre. Für absolute Kategorien wie „Selbstsein“, „Freiheit“, „Leben“, „Existenz“ gibt es kein Gegenteil und damit auch keine Alternative. Sie sind rein positiv zu fassen. Auch kann man nicht davon ausgehen, daß, was ist, zum Verschwinden gebracht und nicht sein kann. Mit einer solchen Einsicht verändert sich grundlegend die Art und Weise, wie einer sich zum Leben stellt und in ihm geortet ist.

 

Copyright (c) 2008 Vardan Verlag - Friedrich Kümmel         Letzte Aktualisierung: Sep 17, 2017